Aktuelles vom „Nördlichsten- Weinberg Nordhessens“

2019 keine Weinlese vom „Nördlichsten -Weinberg Nordhessens“






Schon Anfang September färbten sich die Weinblätter herbstlich braun. Eine Antwort auf die, auch im diesem Jahr extreme Trockenheit. Das zweite, viel zu niederschlagsarme Jahr ist für die Weinstöcke auf unserem Kalksteinverwitterungsboden eine echte Herausforderung. Absichtlich haben wir keine zusätzliche Wasserversorgung vorgenommen. Die Rebstöcke sollen sich den Witterungsgegebenheiten anpassen, schließlich wurzeln sie 10-20 m tief in die Erde. Damit die Rebstöcke trotz der Dürre kräftiger werden können und ihnen keine Kraft zum Wachsen verloren geht, haben wir schon zu Beginn der Traubenbildung sämtliche Weintrauben und überschüssiges Laub entfernt. So verzichten wir in diesem Jahr auf die Weinlese und freuen uns schon jetzt auf einen hoffentlich „gelungenen Jahrgang in 2020“. Es zeigt sich, dass aus der Vielfalt der angebauten Rebsorten die Sorten Solaris und Regnet für unseren Standort am besten geeignet sind.

In diesem Jahr haben wir zusätzlich knapp 2 ha Weinanbaufläche genehmigt bekommen. Demnächst beginnen die Vorbereitungen für den zweiten „ Nördlichsten- Weinberg Nordhessens.“


 


 

Himmel hängt voller Trauben

Nordhessens nördlichster Weinberg gedeiht: Zwerger Jungwinzer starten erste Lese mit gutem Ertrag


Von Tanja Temme


Mehrstündiger Ernteeinsatz: Amelie Hartung( links) und Lilo-Charlott Fülling hatten reichlich Spaß bei der ersten Weinlese auf dem Zwerger Osterberg. 200 Kilogramm Trauben haben die 500 jungen Weinpflanzen aus dem Vorjahr gebracht.

ZWERGEN.
Für einen Überraschungseffekt sorgte der Supersommer auf Nordhessens nördlichstem Weinberg: Hatte Familie Fülling frühestens in drei Jahren mit der ersten Ernte gerechnet, so konnten sie sich nun zum Herbstanfang an den ersten Trauben erfreuen. Die vielen Sonnenstunden der vergangenen Monate haben den jungen Weinstöcken am Osterberg bei Zwergen scheinbar überaus gutgetan: Ganze 200 Kilogramm an Trauben gaben die jungen Pflanzen schon im zweiten Anbaujahr her, ein Ertrag mit dem Lilo-Charlott Fülling nicht gerechnet hatte: "Durch die Trockenheit waren die Weinpflänzchen gezwungen tief in den Boden zu wurzeln, um an Feuchtigkeit zu kommen - dies hat sie wohl stark gemacht", erklärt die 26-Jährige. Sie führt seit diesem Jahr den elterlichen Betrieb mit Landwirtschaft, Campingplatz und Ponyhof fort. Natürlich sind die einzelnen Trauben der Hitze wegen noch recht klein, doch für eine erste Runde am Warmetal Weinberg seien sie mehr als zufrieden.

"Pur konnte man den Saft nicht trinken da er so süß wie ein Sirup war"

Lilo Charlott Fülling, Winzerin


Als eine Art Testlauf, sozusagen ein experimentelles Annähern an das Endprodukt, sehen Lilo Charlott Fülling und ihr Verlobter diese erste Ernte. Ein geringer Teil der Arbeit fand dabei in der heimischen Küche statt, wo aus den roten und weißen Weinsorten Monarch,Cabernet, Cortis und Solaris mehr als 100 Liter Rebsaft gewonnen wurden. "Pur konnte man den Saft nicht trinken, da er so süß wie ein Sirup war", erklärte die Unternehmerin.
Das allerdings spräche für einen hohen Oechslewert, eine Einheit, die die Zuckermenge angebe. Je höher dieser, umso besser für die Qualität des Weines. Wenigstens vier Monate wollen Lilo Charlott Fülling und ihr Freund Franz Bernhardt Nordhaus, genannt Haskebrügge, den Rebsaft nun in einem Gärballon ruhen lassen, bevor sie eine erste Kostprobe nehmen wollen.

„Mal sehen, was dann dabei herauskommt vielleicht braucht der Wein dann auch noch etwas Zeit", so die Jungwinzerin, die lustigerweise überhaupt keinen Alkohol trinkt und auch den eigenen guten Tropfen nur für die Gäste ihres Restaurants vorsieht. Neben den 500 neu gesetzten Pflanzen vom Vorjahr kamen dieses Frühjahr noch einmal weitere 2500 Jungreben hinzu. Außerdem plant das junge Paar, am gegenüberliegenden Hang noch auf einem weiteren Hektar Wein anzubauen. Wie viele Arbeitsstunden sie allein dieses Jahr investiert haben, vermögen die beiden aber nicht zu sagen: "Die Pflege ist schon intensiv, denn der Boden muss locker bleiben und die Pflanzen sollten regelmäßig ausgegeizt werden, also von überflüssigen Blättern befreit werden."

Wie gut, dass die Neueinsteigerin Winzergeschäft von erfahreneren Anbauern aus Bad Dürkheim unterstützt werden, denn an Fragen mangelt es den Neulingen noch immer nicht.

Hoch über Zwergen:
Inzwischen wachsen 3000 Pflanzen auf dem Weinberg der Familie Fülling am Osterberg bei Zwergen. Die viele Sonne der vergangenen Monate tat den jungen Rebstöcken gut.

Fotos: Tanja Temme




Ein Traum wird wahr,
der erste "Solaris- Wein" ist da!
Er strahlt im Glas,
allerdings reicht es noch nicht für ein Fass.
Ehrlich, würzig vom Gestein und vollmundig vom vielen Sonnenschein.

Nach harter Arbeit sind wir glücklich und dankbar…. es scheint unser Neueinstieg zu gelingen.




Chronik

Unsere Familien Fülling betreiben seit 1618 den landwirtschaftlichen Gutsbetrieb in Zwergen.
Neben der Landwirtschaft entstand 1974 der 8ha große Campingpark.
1989 wurde im “Alten Kuhstall” unser Restaurant eingebaut.
2016 erhielten wir die offizielle Genehmigung zur Anpflanzung von Weinreben.
Im Frühjahr 2017 wurden, mit Beratung der Rebschule Freund aus Bad Dürkheim, die ersten 500 Rebstöcke gesetzt.
2018 sollen weitere 3400 Rebstöcke gesetzt werden.

Es wird sicher noch zwei Jahre dauern, bis der erste Wein in der Flasche ist.
Unsere Tochter Lilo-Charlott Fülling soll ab 2018 unsere Betriebe weiterführen. Sie studiert derzeit Agrarwissenschaften an der Georg-August-Universität in Göttingen.